China durch seine Geschichte verstehen / Understanding China Through Comics

The following entry starts with the German version as it is the review of a book I read in German. However, the series referred to is also available in English and an English translation of the review can be found below.

Mein Interesse an Geschichte ist aufmerksamen Lesern dieses Blogs und meiner Bücher sicher nicht neu. Abgesehen davon, daß Geschichte eines meiner persönlichen Lieblingsthemen ist, kommt niemand, der eine andere Kultur wirklich verstehen möchte, daran vorbei. Verhaltensregeln, Überblicke über Geschäftspraktiken und ein paar Hintergrundinformationen sind schön und gut, aber wer wissen möchte, warum diese Verhaltensregeln und Geschäftspraktiken so und nicht anders sind, welche Werte in einer Kultur einen besonderen Stellenwert einnehmen und warum sie das tun – kurz, wer nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern ein wirkliches Kulturverständnis entwickeln möchte, der muß sich mit der Geschichte der jeweiligen Kultur beschäftigen.

Die chinesische Geschichte ist lang und komplex und manch einer mag davor zurückschrecken, sich näher damit zu beschäftigen. Erfreulicherweise gibt es die Serie “Chinas Geschichte im Comic – China durch seine Geschichte verstehen”, die diese Beschäftigung auch ohne immensen Zeitaufwand möglich und sogar zu einem Vergnügen macht. Die nachstehende Rezension befaßt sich mit dem dritten Band der Serie, steht aber auch exemplarisch für alle vier Bände.

Der Gedanke, Chinas komplexe Geschichte durch Comics zu vermitteln, ebenso wie das Motto „China durch seine Geschichte zu verstehen“ sind großartig. Erfreulicherweise steht die Umsetzung dem Gedanken in nichts nach.

In dritten von insgesamt fünf Bänden widmet sich Jing Lui der Zeit zwischen 907 und 1368 – „Von den Fünf Dynastien und Zehn Reichen bis zur Yuan-Dynastie“. Das Buch enthält den Comic sowohl auf Deutsch wie auch auf Chinesisch. Das ist für den Durchschnittsleser nicht unbedingt relevant, aber es wird auf Chinesisch-Lernende hingewiesen und für diese ist diese zweisprachige Ausgabe natürlich eine sehr gute Sache.

Die ersten beiden Bände werden zu Anfang des Buches auf sieben Seiten gelungen zusammengefaßt, besonders bemerkenswert hier die knapp-prägnante Gegenüberstellung von Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Überhaupt ist es eine der Stärken des Buches, komplexe Sachverhalte einfach und anschaulich zu erklären. So etwas ist nicht leicht und ich war sehr beeindruckt davon, wie es hier umgesetzt wurde. Es kommen öfter – vereinfachte – Landkarten zum Einsatz, Gegenüberstellungen von Zahlen (zB Bevölkerung, Soldaten). Gerade die Landkarten sind hilfreich, denn in der behandelten Epoche besteht das heutige China aus zahlreichen Einzelreichen mit wechselnden Dynastien und Grenzen. Hier könnte man ohne Karten leicht den Überblick verlieren.

Der Textteil besteht sowohl aus längeren Texten mit Hintergrundinformationen wie auch aus Sprechblasen. Die Mischung paßt. Dem Text klingt leider an manchen Stellen übersetzt und dadurch ab und zu ungelenk, auch sind öfter falsche Begriffe verwendet (z.B.„zahlte einen schweren Preis“, „betrügen den Staat um Finanzen“). Das ist schade und eine sorgfältigere Überarbeitung hätte zu einem flüssigeren Text und der Korrektur vereinzelter Tippfehler geführt. Allgemein ist der Text aber gut verständlich.

Die Zeichnungen sind wundervoll gelungen! Der Zeichenstil ist ansprechend, anschaulich. An manchen Stellen (wo angebracht) sind die Zeichnungen herrlich witzig, an anderen ist kommt Bedrohung und Leid beklemmend gut eingefangen. Es war ein Vergnügen, sie sich anzuschauen!

Der Inhalt ist angenehm ausgewogen zwischen geschichtlichen Ereignissen, kulturellen Entwicklungen und Alltagsleben. Es ist ein bemerkenswert umfassender Einblick und gerade die Erklärung von Reformen und deren Auswirkungen auf Land und Leute ist anschaulich und erfreulich informativ. Einige herausragende Kunstwerke, Bücher und Persönlichkeiten werden uns ebenfalls vorgestellt.

Zusammenhänge werden meisterhaft dargelegt. Einführung und Nachwort schlagen die Brücke zwischen Geschichte und deren langfristigen Auswirkungen, verdeutlichen, wie wichtig es ist, die Geschichte eines Landes zu kennen, um die Mentalität dieses Landes zu verstehen. Insofern kann ich die Serie „Chinas Geschichte im Comic“ uneingeschränkt empfehlen, denn sie verbindet – wenn auch mit kleinen Textmängeln – Vergnügen und Wissensvermittlung auf erfreuliche Weise!

Mit „Der Weg in die Moderne“ liegt jetzt der vierte Band der hervorragenden Reihe „Chinas Geschichte im Comic – China durch seine Geschichte verstehen“ vor und behandelt die Zeit von 1368 – 1912.

Erneut gelingt es Jing Liu, uns durch seine Zeichnungen viel mehr zu vermitteln, als es unzählige Worte könnten. Fast durchweg sind die Zeichnungen treffend, anschaulich, gelungen. Nur im letzten Teil („Revolution“) wirken sie fast unbeteiligt und vermitteln kaum die Gefühle und Dramatik der Situation. Ich war an vielen Stellen im Buch beeindruckt, wie ergreifend die Zeichnungen sind – hier finden sich zahllose kleine Kunstwerke, manchmal sogar mit passend humorvollen Nuancen. Oft wird auch durch klare und gut darstellende Übersichten vieles vermittelt, gerade die Vergleiche sind so bestens gelungen und zeigen Verhältnisse viel besser, als es reine Zahlen könnten.

Zu Beginn ist die Übersetzung holprig und ließ meine Erwartungen an den Text ziemlich sinken, aber das war tatsächlich nur im ersten Abschnitt der Fall. Danach gefielen mir die Texte vom Stil her besser als die in der vorherigen Aufgabe und es scheint auch wesentlich sorgfältiger Korrektur gelesen worden zu sein, denn mir fielen diesmal keine Tippfehler auf. Das ist erfreulich.

Inhaltlich war ich wieder sehr angetan, wie gut auch komplexe Sachverhalte vermittelt wurden. Getreu dem Motto „China durch seine Geschichte verstehen“ wird auch viel Wert darauf gelegt, zu erklären, warum manche Probleme entstanden oder manche Dinge geschahen. Das ist neben den herrlichen Zeichnungen ein weiterer absoluter Pluspunkt dieser Reihe. Wir erfahren nicht nur, daß etwas geschieht, sondern wir bekommen ein tieferes Verständnis dafür und erkennen auch, wie langfristig sich manche Dinge auswirkten. Allerdings fehlten an manchen Stellen durchaus relevante Informationen. Mir ist bewußt, daß es sich um einen Überblick handelt, aber es kam doch häufig vor, daß schon ein paar Worte oder höchstens zwei Sätze ausgereicht hätten, wesentliche Informationen zu geben, die für das allgemeine Verständnis wichtig wären. Das fand ich sehr schade.

In meiner Rezension zum dritten Band habe ich lobend erwähnt: „Der Inhalt ist angenehm ausgewogen zwischen geschichtlichen Ereignissen, kulturellen Entwicklungen und Alltagsleben.“ Leider kann ich das hier nicht schreiben. Über das Alltagsleben erfahren wir kaum etwas, über die kulturellen Entwicklungen viel zu wenig. Der Fokus liegt hier sehr stark auf politischen Ereignissen. Das fand ich bedauerlich und dieser Aspekt hat mir hier sehr gefehlt.

So haben wir mit „Der Weg in die Moderne“ wieder einen wundervoll gezeichneten Band über Chinas Geschichte, aus dem man auf unterhaltsame Weise eine ganze Menge lernen kann und in dem Komplexes gelungen einfach erklärt ist. Allerdings fehlen ein paar der Aspekte, die Band 3 so überragend gemacht haben. In jedem Fall ist es aber ein äußerst empfehlenswertes Buch.

 

English Review

My interest in history is certainly not new to attentive readers of this blog and my books. Apart from the fact that history is one of my personal favourites, nobody who really wants to understand another culture can bypass it. Rules of conduct, business practices and some background information are a good start, but anybody wanting to know why these codes of conduct and business practices are as they are, which values ​​have a particular standing in a culture and why – in short, anybody with the aim to get beyond the surface, to develop a real understanding of culture, must learn about the history of the respective culture.

Chinese history is long and complex and many may shy away from delving into it. Fortunately, there is the series “Understanding China Through Comics”, which not only provides the option to learn about Chinese history in a short amount of time but also turns it into a pleasure. The following review deals with the third volume of the series, but is exemplary of all four volumes.

The idea of ​​communicating China’s complex history through comics as well as the motto “understanding China through its history” are great. Fortunately, the implementation is in no way inferior to the idea.

In the third of a total of five volumes, Jing Lui devotes himself to the period between 907 and 1368 – “The Five Dynasties and Ten Kingdoms to the Yuan Dynasty”. The book contains the comic in both German and Chinese. This is not necessarily relevant to the average reader, but the book does mention those who are currently learning Chinese, and for them this bilingual edition is of course a very good thing.

The first two volumes are summarized well at the beginning of the book on seven pages, the concise comparison of Confucianism, Daoism and Buddhism is especially impressive. In fact, one of the book’s strong points is to explain complex facts in a simple and descriptive way. This is not easy and I was very impressed with the implementation. Some methods used to achieve this are (simplified) maps or comparisons of numbers (e.g. population, soldiers). The maps are especially helpful, as China consisted consists of numerous individual empires with changing dynasties and borders during the period covered. One could easily lose track without such maps.
The text consists of longer background passages as well as speech bubbles. The mixture works well. The text sounds a bit “translated” in places, sometimes incorrect terms are used. That’s a pity and a more thorough revision would have resulted in a smoother text and the correction of isolated typos. In general though, the text is easy to understand.

The drawings are wonderful! The drawing style is appealing, vivid. Some of the drawing (where appropriate) are hilarious, others capture threats and suffering intensely well. It was a pleasure to look at them!

The content is a nicely balanced mixture of historical events, cultural developments and everyday life. It is a remarkably comprehensive description. The explanation of reforms and their impact on the country and people is especially impressive and informative. Some outstanding works of art, books and personalities are also introduced to us.

Correlations are masterfully explained. Introduction and epilogue build the bridge between history and its long-term impact, highlighting the importance of knowing the history of a country in order to understand that country’s mentality. I can fully recommend the series, because it combines pleasure and knowledge transfer in a pleasing manner!

With “The Ming Dynasty to the Qing Dynasty “, the fourth volume of the excellent series “China’s History in Comics – Understanding China through its History” is now available and covers the period from 1368 – 1912.

Once again Jing Liu succeeds in conveying much more to us through his drawings than countless words could. Almost without exception, the drawings are apt, vivid and well-made. Only in the last part (“Revolution”) they seem almost uninvolved and hardly convey the feelings and drama of the situation. At many points in the book I was impressed by how poignant the drawings are – there are countless small works of art, sometimes even with appropriately humorous nuances. Often a lot is also conveyed by clear and well presented overviews, especially the comparisons are so well done and show ratios much better than pure numbers could.

At the beginning the translation is bumpy and made my expectations of the text drop quite a bit, but that was actually only the case in the first section. After that, I liked the style of the texts better than in the previous volume and it seems that the proofreading was much more careful, because this time I didn’t notice any typos. That is pleasing.

With regard to content, I was again very pleased with how well even complex subjects were conveyed. True to the motto “Understanding China through its history” a lot of emphasis is also placed on explaining why some problems arose or some things happened. This is, besides the wonderful drawings, another absolute plus of this series. Not only do we learn that something is happening, but we also get a deeper understanding of the background and recognize the long-term effects of many things. However, in some places relevant information was definitely missing. I am aware that this is an overview, but it was often the case that a few words or at most two sentences would have been enough to give essential information that would have been important for general understanding. I thought it was a great pity that this was lacking.

In my review of the third volume, I wrote the praise: “The content is pleasantly balanced between historical events, cultural developments and everyday life.” Unfortunately I can’t write that here. We learn hardly anything about everyday life, and far too little about cultural developments. The focus here is very much on political events. I found that unfortunate and I missed this aspect very much here.

So we again have a wonderfully drawn volume about China’s history, from which one can learn a lot in an entertaining way and where complex facts are successfully explained in a simple way. However, some of the aspects that made volume 3 so outstanding are missing. Still, it is a highly recommendable book.

 

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